Bewertung: ★★★☆☆
Unendlichkeit in einem Schilfrohr ist ein ambitioniertes Werk, das die Geschichte der Bücher und des Lesens seit der Antike erklären möchte, indem es den historischen Essay mit einer sehr kunstvollen literarischen Prosa verbindet. Seine größte Stärke liegt in der Fähigkeit, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden: von den Bibliotheken von Alexandria bis zu den heutigen Herausforderungen der Schriftkultur. Vallejo bietet Momente großer Schönheit, mit brillanten Metaphern und einer ansteckenden Begeisterung für Literatur.
Es ist kein Zufall, dass dieses Werk mit dem Nationalen Essaypreis 2020 ausgezeichnet wurde und sich zu einem internationalen Erfolg entwickelt hat, der in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit gelesen wird. Es ist ein Buch, das Faszination weckt und den Zugang zum Wissen auf zugängliche und zugleich poetische Weise eröffnet.
Gleichzeitig ist eben diese Ambition auch seine Schwäche. Die Erzählung, oft voller Abschweifungen und Sprünge zwischen Epochen, kann zerstreut und ermüdend wirken. Der Stil, obwohl elegant, neigt zum rhetorischen Übermaß, und es gibt Passagen, in denen die Textdichte das beabsichtigte Interesse überlagert. Zudem hinterlässt die Mischung aus Wissensvermittlung und Lyrik einen unausgeglichenen Eindruck: weder ein akademisches Handbuch noch eine lineare Erzählung.
Alles in allem ist Unendlichkeit in einem Schilfrohr ein wertvolles und zu Recht anerkanntes Buch, aber kein unverzichtbares. Man liest es mit Bewunderung für die Leidenschaft, die es vermittelt, aber auch mit einer gewissen Müdigkeit aufgrund der stilistischen Überfülle und des fehlenden Erzählrhythmus.
Kritik zum Umschlag
Das Cover ist ein voller Erfolg. Das Bild des Schilfrohrs, zart gezeichnet und sich ausbreitend wie ein pflanzliches Feuerwerk, symbolisiert auf hervorragende Weise die Geburt des Buches im ägyptischen Papyrus und seine unendliche Projektion in die Zeit. Die klare, schlichte Typografie passt perfekt zum essayistischen Charakter des Werkes. Der sanfte Hintergrundton bildet einen angenehmen Kontrast zur Illustration und lädt zum Lesen ein. Besonders hervorzuheben ist, dass das Design von Carlos Montero stammt, dem es gelingt, den Inhalt und den Geist des Buches mit raffinierter und unvergesslicher Schönheit zu vermitteln.
*Vallejo, Irene. El infinito en un junco. Ediciones Siruela, S.A... Madrid, 2020. 17ª Edición. 449 pp. Portada: Carlos Montero. ISBN: 978-84-17860-79-0